Pressebericht des Weser-Kuriers vom 05. Januar 2018 zum Thema "Gründächer in Bremen - Ökologie beim Bauen - Regeln für Baumschutz".

  2018 schild

Bremen will mehr grüne Dächer
Ökologie soll beim Bauen eine größere Rolle spielen – Umweltsenator plant auch
strengere Regeln für Baumschutz

Die Bremer Umweltbehörde will ein stärkeres ökologisches Profil für das Bau- und
Planungsrecht der Hansestadt. Zu dem angestrebten Maßnahmenbündel gehört auch
das Vorhaben, die Zahl der begrünten Dächer in den nächsten Jahren deutlich zu
erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen beispielsweise in Bebauungsplänen für
Neubaugebiete oder Gewerbezonen Vorgaben für die Dachgestaltung
gemacht werden.
Begrünte Dächer haben aus Sicht der Umweltressorts zahlreiche Vorteile. Sie halten
Regenwasser zurück und entlasten damit die Kanalisation insbesondere bei starken
Niederschlägen – angesichts der Häufung solcher Ereignisse als Folge des Klimawandels
ein gewichtiges Argument, wie man in der Behörde findet. Für mehr grüne Dächer
sprechen aus ihrer Sicht noch weitere Eigenschaften: Sie senken die Kosten für Heizung
und Kühlung von Gebäuden und sie helfen, Staub und Schadstoffe aus der Luft zu filtern.
Auch für das Kleinklima im verdichteten innerstädtischen Raum hätten Gründächer
eine günstige Wirkung, argumentieren die Fachleute in der Umweltbehörde. Das
Thema wird in Kürze die Baudeputation beschäftigen. In einem Papier, das Grundlage
der Beratungen sein soll, verweist das Haus von Senator Joachim Lohse (Grüne) unter
anderem auf niedersächsische Kommunen wie Osnabrück und Hannover, die eine
ähnliche baupolitische Zielsetzung verfolgen. Eine Vorreiterrolle nimmt das grünschwarz
regierte Baden-Württemberg ein. Dort sind Dachbegrünungen vorgeschrieben,
sofern das Grundstück eine bestimmte Beschaffenheit hat, die Gestaltung des Gebäudes
es zulässt und es wirtschaftlich zumutbar ist. Baden-Württemberg ist das bisher einzige
Bundesland, das eine Gründach-Regelung in seine Landesbauordnung aufgenommen
hat. Auch die Bremer Umweltbehörde will es künftig nicht mehr bei Freiwilligkeit
belassen.
In dem Papier für die Baudeputation werden unterschiedliche rechtliche Instrumente
aufgezeigt, mit denen Häuslebauer und Gewerbetreibende dazu verpflichtet werden
könnten, Flach- und gering geneigte Dächer künftig zu begrünen. Die Palette reicht von
speziellen „Gründachsatzungen“ über quartierbezogene Regelungen in ebauungsplänen
bis zu Änderungen der Landesbauordnung nach baden-württembergischen Vorbild.
Würde das Bauen in Bremen teurer, wenn Bauherren künftig verstärkt zur Begrünung
geeigneter Dachtypen angehalten werden? „Die Investition wäre zunächst höher, die
Lebensdauer aber auch“, sagt Senator Lohse. Seine Behörde hat eine Vergleichsrechnung
für ein Kies- und ein begrüntes Dach angestellt. Die Erstellungskosten für 100
Quadratmeter Dachfläche liegen demnach bei gut 9000 Euro für das Gründach und 3000
Euro für das Kiesdach. Für das Gründach wird allerdings mit 40 Jahren ein doppelt so
langer Zeitraum bis zur Sanierung angenommen wie bei einem Kiesdach. Rechnet man
weitere Faktoren wie die ermäßigte Niederschlagsgebühr für Gründächer ein, landet
man in der Modellrechnung der Behörde über vier Jahrzehnte bei annähernd gleichen
Kosten für beide Dachtypen. Schon jetzt zahlen Eigentümer von Häusern mit
Gründächern in Bremen nur 30 Prozent des üblichen Regenwasser-Gebührensatzes.
Eine ökologischere Ausrichtung der Bremer Baupolitik will Joachim Lohse noch
durch weitere Maßnahmen erreichen. Bereits beschlossen hat die Baudeputation, dass
künftige Bebauungspläne durch sogenannte Grünordnungspläne ergänzt werden sollen,
wenn die betroffenen Flächen ökologisch wichtig sind. Diese Pläne sollen
konkretisieren, wie Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschützt und aufgewertet
werden können. Hintergrund dieses Beschlusses ist der grundsätzliche Vorrang, den
Bremen der baulichen Verdichtung des innerstädtischen Bereichs vor der Ausdehnung
der Siedlungsfläche in den grünen Stadtrand einräumt. „Damit steigen die
Anforderungen an die Gestaltung der Freiflächen“, begründet der Umweltsenator die
Notwendigkeit von Grünordnungsplänen. Nachbesserungen strebt Lohse auch beim
Baumschutz an. Wenn auf privaten Grundstücken gebaut wird, soll es in Zukunft nicht
mehr reichen, im Bauantrag formal zu versichern, dass dem Bauvorhaben keine
größeren Bäume zum Opfer fallen. Die Auswirkungen auf vorhandenen Baumbestand
sollen umfangreicher dokumentiert werden. Wie genau die Kontrolle erfolgen soll, ist
noch offen. Die Umweltbehörde erwägt unter anderem Vor-Ort-Prüfungen durch
beauftragte Fachleute.